Infektionszahlen, Impfvorhaben und gestörte Lieferketten bremsen das Geschäftsklima. Wann und ob aus „New Normal“ wieder „Old Normal“ wird, weiß niemand so genau. Welche Investitionen sich jetzt lohnen und welche Förderprogramme digitale Investitionsvorhaben auch in der aktuellen Pandemie unterstützen, erfahren Sie hier.

Um das Pandemiegeschehen einzudämmen, schließen viele Unternehmen ihre Büros und raten ihren Mitarbeitern zum Homeoffice. Zur selben Zeit hält sich das produzierende Gewerbe an strenge Hygienevorschriften und bearbeitet oftmals in Kurzarbeit die Aufträge der Kunden. Unter diesen unsicheren Umständen zögern viele Unternehmen dringende Investitionen und wichtige Entscheidungen hinaus. Wie das KfW-Mittelstandspanel 2020 belegt, stoppen derzeit viele kleine und mittelständische Unternehmen ihre Investitionspläne und nutzen die Mittel für ihre Liquiditätslücken. Experten gehen davon aus, dass die Pandemie im deutschen Mittelstand zu einem ähnlichen Investitionsengpass führen wird wie zur Finanzkrise 2009.

Zwischen Umsatzrückgang und „New Normal“: Wie KMUs mit europäischen und nationalen Zuschüssen ihre Digitalisierung fördern

Wenn Arbeitgeber aktuell investieren, dann meistens in die eigene digitale Infrastruktur. Und selbst wenn viele Betriebe aufgrund von Home-Office und digitalen Tools nun vernetzter sind als noch im Jahr 2019, begreift nicht jeder Unternehmer, wie sich die digitale Transformation langfristig auf die eigenen Geschäftsprozesse auswirkt. Unterstützung für das eigene Digitalisierungsvorhaben gibt es jedoch allemal. Ob EU-Fördermittel oder Förderprogramme der Bundesregierung: KMUs und Handwerksbetriebe sind nur wenige Klicks von einer Investitionsförderung entfernt.

1. Horizont Europa: Das wichtigste EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation

Horizont Europa ist der Nachfolger des bekannten EU-Förderprogramms Horizont 2020 und umfasst einen Fördertopf von 95,5 Milliarden Euro – das bisher größte Förderprogramm der EU für Forschung und Innovation. Die EU-Kommission möchte mit dieser Initiative ökologischen und digitalen Wandel vorantreiben und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken.

Wer ist berechtigt?

Horizont Europa fördert nicht nur Forscherteams und Universitäten, sondern auch Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Unternehmen, kleine und mittelständische Betriebe sowie Start-ups.

Was wird gefördert?

Die Förderung der EU ist an bestimmte Projekte und Vorhaben geknüpft, die zuvor in eigenen Ausschreibungen im so genannten Funding & Tenders Portal bekanntgegeben werden. Jede Ausschreibung in Horizont Europa basiert auf einem Arbeitsprogramm der EU und fördert zum Beispiel Digitalisierungs- und Energieprojekte für KMUs.

Wie wird gefördert?

Das Horizont Europa-Programm unterstützt Förderprojekte bis zum 31. Dezember 2027. Die Unterstützung erfolgt in Form von Verbundvorhaben, Einzelförderungen, Koordinierungsmaßnahmen oder Preisen.

Wie stelle ich einen Antrag?

Für jede Förderung müssen Interessenten einen Anforderungskatalog erfüllen, der sich an der jeweiligen Ausschreibung aus dem Funding & Tenders Portal orientiert. Die Bewerbung erfolgt anschließend zumeist in einem einstufigen oder zweistufigen Antragsverfahren. Weitere Informationen finden Sie auf der Antragsübersicht von Horizont Europa.

2. InvestEU: Spezielle EU-Förderung für Kleinunternehmen

InvestEU ist ein weiteres umfangreiches EU-Förderprogramm, das seit 2021 Investitionsprogramme wie den Junker-Plan oder COSME ablöst. Mit einer zentralen Anlaufstelle für Beratung sowie einheitlichen Regeln und Verfahren vereinfacht die EU-Kommission mit InvestEU den Zugang zu EU-Mitteln und beschleunigt die Förderung im Vergleich zum vergangenen EU-Haushalt.

Wer ist berechtigt?

Die Europäische Investitionsbank EIB und zahlreiche nationale Banken fördern gemeinsam unterschiedlichste Projekte und Digitalisierungsvorhaben von Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Einrichtungen.

Was wird gefördert?

Die Förderschwerpunkte von InvestEU liegen in den Bereichen „nachhaltige Entwicklung“, „Forschung, Innovation und Digitalisierung“, „kleine Unternehmen“ und „soziale Investitionen und Kompetenzen“.

Wie wird gefördert?

Die Förderung unterscheidet sich je nach Laufzeit der Investitionsvorhaben. Das InvestEU-Förderprogramm läuft ab 2021 bis zum 31. Dezember 2027. Vor allem KMUs können sich freuen: Für ihre Anträge stellt die EU-Kommission 11,25 Milliarden Euro zur Verfügung.

Wie stelle ich einen Antrag?

Unternehmen stellen über die nationalen Finanzpartner einen Investitionszuschuss oder -darlehen. In Deutschland kooperiert die EIB unter anderem mit der L-Bank, der DKB oder der Commerzbank. Eine Liste aller Kooperationspartner in Deutschland finden Sie hier. Weitere Informationen zu InvestEU erhalten Sie auf der Website der EU-Kommission.

Finden Sie heraus, wie digital Ihr Unternehmen ist

CTA_DRC_ganzes Bild

3. Das „Digital Jetzt“-Förderprogramm der Bundesregierung

Wesentlich übersichtlicher sind die digitalen Fördermittel des Bundes – wie etwa die Förderinitiative Digital Jetzt. Dieser Digitalbonus ist eine neue Fördermaßnahme speziell für die Digitalisierung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Damit kleine Betriebe aus dem Handwerk oder aus anderen Branchen auch in Zukunft marktfähig sind, bietet der Bund mit Digital Jetzt finanzielle Zuschüsse für die Investition in digitale Technologien und in die Qualifizierung der Belegschaft.

Wer ist berechtigt?

Antragsberechtigt sind KMUs aus allen Branchen – freie Berufe mitinbegriffen – mit einer Unternehmensgröße von drei bis 499 Beschäftigten. Für eine Förderung müssen Betriebe bei der Antragstellung erklären, wie digital ihr Unternehmen derzeit arbeitet und welche Digitalisierungsvorhaben sie mit welchem Ziel umsetzen möchten.

Was wird gefördert?

Einfach gesagt: Digital Jetzt unterstützt KMUs und das Handwerk bei der digitalen Transformation. Ob Unternehmen neue Geschäftsprozesse etablieren, digitale Tools einführen oder Mitarbeitende qualifizieren möchten, ist erstmal nebensächlich. Die maximale Fördersumme liegt bei 50.000 Euro pro Unternehmen. Wird in Wertschöpfungsketten und/oder -netzwerke investiert, beträgt die Förderung bis zu 100.000 Euro.

Wie wird gefördert?

Die Zuschüsse stehen bis spätestens 2023 zur Verfügung und müssen nicht zurückgezahlt werden. Nach erfolgreichem Antrag haben Unternehmen 12 Monate Zeit, ihr gefördertes Digitalisierungsprojekt umzusetzen und in einem Verwendungsnachweis zu protokollieren.

Wie stelle ich einen Antrag?

Die Antragstellung erfolgt rein elektronisch über ein Online-Tool der Bundesregierung. Bis zum Förderbescheid vergehen anschließend mehrere Wochen, bevor der Antragsteller sein Investitionsvorhaben beginnen kann. Eine Antragsvorlage finden Sie hier.

4. Individuelle Digital-Beratung statt reiner Finanzspritze mit „Go-digital“

Mit dem Förderprogramm „Go-digital“ fokussiert sich der Bund auf beratende Maßnahmen und hilft KMUs und Handwerksbetrieben, die ihre Geschäftsprozesse zusammen mit Experten digitalisieren möchten. Die Idee dahinter ist relativ simpel: Digitalisierungsvorhaben definieren, Beratungspartner auswählen – hier eine Übersicht aller teilnehmenden Unternehmen – und Antrag abschicken.

Wer ist berechtigt?

Laut BMWi sind Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft einschließlich des Handwerks mit technologischem Potenzial antragsberechtigt. Wichtig ist dabei, dass im Betrieb weniger als 100 Menschen angestellt sind und im Vorjahreszeitraum höchstens 20 Millionen Euro umgesetzt wurden.

Was wird gefördert?

Die Digitalisierungsmaßnahmen der KMUs sollten entweder unter den Bereich „Digitalisierte Geschäftsprozesse” (bspw. Einführung einer e-Commerce-Software), „Digitale Markterschließung” (bspw. Aufbau einer Online-Marketing-Strategie) oder „IT-Sicherheit” (bspw. Optimierung bestehender IT-Infrastruktur) fallen. Das Beratungsunternehmen fungiert als Sparringspartner, hilft dem Antragsteller bei der Konkretisierung des Auftrags und übernimmt die Gesamtverantwortung für das jeweilige Projekt.

Wie lange wird gefördert?

Die staatliche Förderung bezieht sich auf ein spezifisches Projekt, das in maximal sechs Monaten realisiert werden sollte. Abschließend stellt das Beratungsunternehmen eine Rechnung, die der BMWi per Zuschuss begleicht. Die Förderung beträgt 50 Prozent auf einen maximalen Beratertagessatz von 1.100 Euro und umfasst maximal 30 Arbeitstage.

Wie stelle ich einen Antrag?

Die jeweilige Beratungsfirma stellt den Antrag für das geförderte Unternehmen online auf dem Easy-Online Förderportal der Bundesregierung ein.

5. Der ERP-Digitalisierungs- und Innovations¬kredit der KFW

Die KfW ist die größte nationale Förderbank der Welt und unterstützt mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit (ERP: European Recovery Programme) Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben von KMUs und Einzelunternehmern in Deutschland. Besonders ist, dass Antragsteller den ERP-Digitalisierungs- und Innovations¬kredit mit anderen Förder¬programmen kombinieren können.

Wer ist berechtigt?

Für die KfW-Förderung sind Unternehmen mit Sitz in Deutschland mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen antragsberechtigt.

Was wird gefördert?

Ob 3D-Drucker, Software-Integration oder die Entwicklung einer umfassenden Digital-Strategie: Der KfW-Kredit deckt zahlreiche Digitalisierungsmaßnahmen ab. Hier geht’s zur Übersicht aller förderfähigen Vorhaben.

Wie wird gefördert?

Nach erfolgreicher Antragsprüfung fördert die KfW jedes Digitalisierungsvorhaben mit mindestens 25.000 Euro, maximal mit bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben. Die Mindestlaufzeit beträgt zwei Jahre ab 1,00 Prozent effektivem Jahreszins.

Wie stelle ich einen Antrag?

Unternehmen müssen vor Antragstellung einen Finanzierungspartner finden, der sie bei ihrem Digitalisierungsprojekt unterstützt. Nach einer Zusage beantragt der Finanzierungspartner die KfW-Förderung. Mehr zur Antragsstellung finden Sie auf der Website der KfW.

Zusätzlich: Corona-Überbrückungshilfen III des Bundes

Die staatlichen Überbrückungshilfen des Bundes fördern zwar per se nicht spezifische Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben. Dennoch können Betriebe die Unterstützung nutzen, um Umsatzausfälle auszugleichen, die eigene Liquidität zu stärken und um nach der Corona-Pandemie stärker zu investieren. Die neusten Überbrückungshilfen gelten bis Juni 2021 und bestehen nicht nur aus außerordentlichen Wirtschafts- und Überbrückungshilfen, sondern ebenso aus steuerlichen Hilfsmaßnahmen und Bürgschaften.

Weitere Informationen zu den Überbrückungshilfen III finden Sie auf der Website der Bundesregierung. Wie Ihr Betrieb von weiteren Corona-Schutzmaßnahmen profitieren kann, fassen wir im Blog-Beitrag „Drohende Insolvenzwelle – das können KMU jetzt tun“ zusammen.

Ermitteln Sie den Digitalisierungsgrad Ihres Unternehmens mit unserem Digital Readiness Check

Starten Sie Ihre Digitalisierungsvorhaben jetzt mit unserem kostenlosen Digital Readiness Check. Mit nur wenigen Klicks verschaffen Sie sich Klarheit über Ihre Handlungsfelder und wissen, wie Sie die Digitalisierung effizient in Angriff nehmen.Jetzt testen!

CTA_DRC_ganzes Bild