Lange Zeit wurde dem Mittelstand eine lähmende Angst vor der Cloud nachgesagt. Doch die Zeichen stehen auf Wandel. Welche Zukunftstrends Carsten Schröder, President of Cloud-ERP von lexbizz, für den Mittelstand durch Corona bestätigt sieht und wo die größten Handlungsbedarfe für den Mittelstand liegen, beschreibt er in seiner zweiteiligen Kolumne „Zukunft Mittelstand“.

Das Wort Wolkenkuckucksheim stammt aus Aristophanes’ griechischer Komödie Die Vögel und bezeichnet eine Stadt in den Wolken, die sich die Vögel als Zwischenreich erbaut haben. Im übertragenen Sinne beschreibt es eine Utopie ohne Bodenhaftung, also ohne Realitätssinn. Ganz real hingegen sind die Folgen der Corona-Krise für jene Unternehmen, die den Weg in die Wolken, in die Cloud, nicht angetreten haben. Wortwörtlich hat die Krise tausenden Unternehmen den Boden unter den Füßen weggezogen: Über Nacht mussten sie Services und Ressourcen in die Cloud verlegen, um arbeits- und wettbewerbsfähig zu bleiben. Wer dazu nicht in der Lage war, spürte die Folgen seines Zögerns. Mitarbeitende konnten aus dem Home-Office heraus nicht oder nur verzögert arbeiten, Umsätze brachen wegen fehlender oder nicht skalierbarer Vertriebswege zum Kunden ein oder ganz ab.

Die Corona-Krise hat wie durch ein Brennglas gezeigt, wie wettbewerbsentscheidend die Digitalisierung – und hier besonders die Cloud – in einer Welt ist, die immer digitaler tickt. Dass die Cloud für den Mittelstand längst kein utopisches Wolkenkuckucksheim mehr ist, belegt auch eine  IDG-Studie zum Thema „Cloud-ERP im Mittelstand“, die mitten während der Corona-Krise durchgeführt wurde. 70 Prozent messen Cloud Computing und Cloud-ERP-Systemen bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie eine sehr hohe Bedeutung bei. Die Mehrzahl der Unternehmen, die bereits eine ERP-Cloud-Software einsetzen, will in den Ausbau der Cloud investieren - trotz gedeckelter IT-Budgets in Zeiten von Corona.

Corona war demnach ein Cloud-Booster. Denn der Zusammenhang zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Digitalisierungsgrad ist vielen Unternehmen deutlich geworden: Mehr als sieben von zehn Unternehmen haben ihr Geschäftsmodell aufgrund der Krise angepasst. Eine wichtige Voraussetzung hierfür: der Digitalisierungsgrad. Dieser ist seit dem Corona-Ausbruch in fast zwei Dritteln der befragten Unternehmen gestiegen.

Digitale Ökonomie: Worauf des für den Mittelstand jetzt ankommt

Die Corona-Krise hat, trotz all der schwerwiegenden Auswirkungen auf viele Branchen und die Gesamtkonjunktur, aus meiner Sicht doch eines klar belegt: Die Zukunft erfolgreicher Unternehmensführung liegt darin, wie gut sich Unternehmen an ihre Umwelt anpassen können. Ich sehe drei entscheidende Handlungsfelder für die Zukunft.
Unternehmen müssen …

1.) … sich mit ihrem Geschäftsumfeld vernetzen können, also über digitale Vertriebs-, Kommunikations- und Transaktionskanäle Informationen und Daten mit ihren Kunden, Partnern und Institutionen austauschen können. Diese reibungslose Interkonnektivität gelingt nur durch Cloud Computing.

2.) … den rasant voranschreitenden technologischen Wandel als Chance nutzen, statt ihn zu verteufeln oder gar in seiner Bedeutung herunterzuspielen. Neue technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz, Maschine Learning, Big Data, Blockchain bieten immense wirtschaftliche Vorteile, ganz konkret durch Prozessautomatisierung als Kostensenker.

3.) … Innovationen fördern und managen sowie neue Geschäftsmodelle explorieren. Der Schlüssel ist, Datenschätze aus allen Unternehmensbereichen aufzubauen und mittels neuer Technologien auswerten zu können. So lassen sich mittels datenbasierter Erkenntnisse kritische Geschäftsentscheidungen für die Zukunft treffen sowie neue Services und Angebote für die Kundschaft explorieren. Anpassung durch Innovation lautet hier das Stichwort!

Digitalisierung konsequent angehen: Unternehmens-IT als Nukleus der digitalen Transformation

Moderne Cloud-ERP-Plattformen können den Nukleus und das Rückgrat der unternehmerischen Digitalstrategie bilden. Das belegt auch die IDG-Studie zu Cloud-ERP im Mittelstand. Um langfristig erfolgreich zu bleiben, müssen Unternehmen hinterfragen, inwiefern ihre aktuellen ERP-Systeme mit den raschen Entwicklungen in der Connected Economy schritthalten und die hohen Erwartungen auf Kundenseite auch in Zukunft erfüllen können. Die Gesamtqualität einer Lösung, ihre Agilität und ihre Leistungsfähigkeit haben einen signifikanten Einfluss auf die Flexibilität des Unternehmens und seinen nachhaltigen Geschäftserfolg.

Für einen auch zukünftig starken Mittelstand gilt es heute schon die technologischen Weichen zu legen. Mit der richtigen Unternehmenslösung aus der Cloud verfügen mittelständische Unternehmen über das nötige Handwerkszeug, um aus den Luftschlössern und Wolkenkuckucksheimen eines weit entfernt erscheinenden Digitalerfolgs schon heute echte digitale Innovationshochburgen zu bauen, die der deutschen Wirtschaft auch in einer unberechenbaren Zukunft ein starkes Rückgrat verleihen.

Wie mittelständische Unternehmen die Digitalisierung konkret umsetzen können, beschreibt Carsten Schröder im zweiten Teil der Kolumne "Zukunft Mittelstand".